Gegen das Vergessen

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar

Der 27. Januar 1945.
Das Vernichtungslager Auschwitz wird befreit.
Für 6 Millionen Menschen kommt die Befreiung zu spät.
Auch 75 Jahre danach gedenken wir der Ermordeten,
weil Vergessen eine andere Form des Auslöschens wäre
und weil Erinnerung lebendig hält und wach macht für alles,
was sich zu wiederholen droht heute und morgen.

Wir gedenken der Vergessenen und Verdrängten,
denen man das Leben genommen hat,
nachdem man ihnen den Namen stahl,
nachdem man ihnen die Würde geraubt hatte,
nachdem ihnen aller Besitz genommen war,
nachdem man sie aus Freundschaft und Verwandtschaft gerissen hatte.

Wir gedenken der Vergessenen, der Verdrängten,
denen man kein Grab gelassen hatte,
deren Tod und Ermordung man leugnete,
von deren Elend man nicht gewusst haben will,
denen man noch heute unentwegt Böses zutraut,
die bis heute unter den Bildern von damals leiden.

Wir gedenken der jüdischen Frauen, Männer und Kinder,
denen man das Recht zum Leben nahm,
der Sinti und Roma, der ernsten Bibelforscher und Pazifisten,
der Behinderten und geistig Erkrankten,
der Schwulen und Lesben,
aller, denen man die Menschenwürde raubte.

Wir gedenken besonders der Kinder,
als man sie aus den Schulen jagte,
als man ihnen die Straßenbahn verwehrte,
als man sie in die Viehwaggons pferchte,
als man sie zu Experimenten missbrauchte
und sie unter schwerer Arbeit verhungern ließ.

Wir gedenken der Opfer der Schoa, Katastrophe der Menschheitsgeschichte,
Triumph der Barbarei, Gipfel der Menschenverachtung.
Wir erinnern, nehmen zu Herzen, was geschehen ist, um neu zu lernen,
was Menschenwürde bedeutet und Solidarität;
ermutigt durch Gottes Wort an sein Volk Israel, ausgerichtet durch den Propheten Jesaja 56,5:
So spricht Gott, der HERR:
„Ich will ihnen Denkmal und Namen geben - yad vashem“.

 

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